Klöster in Baden-Württemberg
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Zisterzienserinnenabtei Gutenzell - Geschichte

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Abbildung  Button Die Zisterzienserinnenabtei Gutenzell. Ansicht auf einer Prozessionsfahne des 18. Jh.
Die Klostergeschichte beginnt 1237 mit dem Anschluss von "Cella Die" (1228), "Bona Cella" (1259) oder "Guotenzelle" (1275) an den Orden Bernhards von Clairvaux. Nach den unsicheren Gründungsberichten wurde die Zisterze durch die Herren von Schlossberg begründet, die in der späteren Überlieferung als "Schlüsselberg" bezeichnet wurden und deren Burg sich entweder auf dem Schlossberg oder auf dem Platz der heutigen Friedhofskapelle erhob. Zwei Damen aus dem niederadligen Geschlecht, das mit dem Ortsadel von Aichheim (Illereichen) verwandt war, sollen gleichgesinnte Frauen um sich geschart und um 1237 ein gemeinsames Leben begonnen haben. 1237 dürfte ihr Kloster bereits vollendet und geweiht gewesen sein. Es stand nahe dem Ursprungsbach an historischer Stelle. Denn 1969/73 wurden dort hochromanische Mauerreste eines früheren Sakralbaus entdeckt. Auch die beiden Kirchenpatrone Cosmas und Damian dürften in diese Zeit weisen. Die Umwandlung der Beginensammlung in eine Frauenzisterze erfolgte anlässlich einer Visitation durch den Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf. 1238 bestätigte Papst Gregor IX. die Inkorporation des Klosters in den Zisterzienserorden und nahm den Konvent in päpstlichen Schutz.

Auch den Gutenzeller Klosterfrauen widerfuhr in ihrer mehr als 600-jährigen Geschichte Freud und Leid. So legte am Palmsonntag 1369 ein Blitzschlag die ganze Konventanlage in Schutt und Asche. 1522 richtete im Klausurbereich eine Feuersbrunst erneut beträchtlichen Schaden an. Drei Jahre später drangen aufständische Bauern in die Konventsgebäude ein und plünderten die Räume. An Mariä Himmelfahrt 1525 wollten, allerdings erfolglos, Biberacher Bürger die Reformation einführen. 1632 floh der Konvent vor den herannahenden Schweden in die Steiermark. Sie legten bei ihrem Abzug am Nikolaustag 1646 in der Abtei Feuer, das großen Schaden anrichtete.

Aber die Frauenzisterze erlebte auch bessere Zeiten. So war es 1336 möglich, dass der Würzburger Baumeister Bernolt dem Chorraum ein frühgotisches Gepräge geben konnte. 1389-1390 wurde das Langhaus, das der Vater von Äbtissin Alexandra Zimmermann dann 1755-1756 spätbarock umgestaltete, neu emporgeführt. Nach dem Untergang der Staufer konnte das Kloster schrittweise die Reichsfreiheit erlangen. Die Privilegien Kaiser Sigismunds von 1417 und 1437 bildeten die rechtliche Grundlage. Seit 1521 nahm der Hofmeister im Auftrag der Äbtissin auch an den Sitzungen des Schwäbischen Kreises teil. Das klösterliche Herrschaftsgebiet umfasste zuletzt neben Gutenzell Besitz in acht Weilern mit 1189 Einwohnern. Dazu gehörten ein Drittel von Achstetten und Kirchberg sowie halb Oberholzheim. Von 1768 bis 1803 waltete die jeweilige Äbtissin, die 1685-1717 die Hohe Blutsgerichtsbarkeit der Landvogtei Schwaben lehenweise ausgeübt hatte, im Herrschaftsgebiet auch als Gerichtsherrin ihres Amtes.

Die Äbtissinnen stammten - im Unterschied zum benachbarten Heggbach mit überwiegend bürgerlichen und bäuerlichen Mitgliedern - aus dem Adel, darunter Mitglieder der Familien von Aichheim, Griesingen, Stotzingen, Freyberg, Landenberg, Brunegg, Donnersberg und von Gall.

Ihre Hauptaufgabe sahen auch die Gutenzeller Nonnen im Gottesdienst - Stundengebet, Eucharistiefeier, Schriftlesung, Meditation. Außerdem gehörte zum Tageslauf die Handarbeit. Bei den Laienschwestern waren es Pflichten in Haus und Garten, während die Chorfrauen mit Federkiel, Spinnrad, Webstuhl, Nadel, Wolle, Faden und Seide umzugehen wussten. Arbeitsstätte war entweder das Refektorium oder die Krankenstube. Dabei fertigten die Nonnen aus Brokatstoffen, Seidentüchern und Goldfäden auch Paramente und fassten Reliquien. Außerdem bekleideten sie ihr Jesuskind in der Zelle und 1705/50 die Krippenfiguren für den Speisesaal und die Klosterkirche.

1698 hatten sich die Konventualinnnen mit den Augustinern von Memmingen und 1701 mit den Benediktinern von Ochsenhausen im Gebet verbrüdert. Die Frömmigkeit der Zisterzienserinnen spiegelt sich in den Fresken, Gemälden und Skulpturen ihrer Barockkirche.

Das Gotteshaus war seit 1474 auch für die Gutenzeller Untertanen zugänglich, und der Salemer Mönch, der die damals gestiftete Kaplanei versah, war für die Seelsorge im Ort zuständig.

Mit dem jeweiligen Vaterabt der Bodenseezisterze, der für die geistliche Zucht und den wirtschaftlichen Wohlstand verantwortlich war, hatte der Konvent seine Schwierigkeiten. Während die 47 Heggbacherinnen nach der Visitation von 1573 wegen ihres Ordenseifers gelobt wurden und sieben Nonnen in die darnieder liegenden Abteien Olsberg und Rathausen entsenden konnten, dauerte es in Gutenzell 50 Jahre, bis die nachtridentinische Klosterreform durchgeführt wurde. 1753 unterstellte sich die Abtei schließlich im Einverständnis mit Generalabt Trouvé dem Oberen von Kaisheim, bei dem sie bis zur Säkularisation verblieb.

1803, bei der Übernahme des Klosters durch Graf Joseph August von Toerring-Jettenbach, gehörten dem Konvent 23 Chorfrauen und 13 Laienschwestern an. Der Personalbestand von rund 35 Schwestern hatte sich in der Neuzeit kaum verändert. Die Schwestern konnten nach 1803 ein gemeinsames Leben fortsetzen. Regelmäßige Visitationen und eine neue Klosterordnung 1808/09 gaben in württembergischer Zeit den Rahmen vor. 1812 lebten noch 28 Nonnen im Kloster, dessen Tradition mit dem Tod der letzten Nonne 1851 abbrach. Die Äbtissin, Maria Justina von Erolzheim, war bereits 1809 gestorben.

Konventsgebäude und Kreuzgang wurden 1864 abgebrochen. Lediglich der an die Kirche angrenzende Ostflügel der Anlage blieb als Pfarrhaus erhalten. Was an dieser historischen Stätte aus früheren Zeiten bewahrt wurde, verdient deshalb um so mehr, in Augenschein genommen und bewundert zu werden.

OTTO BECK     
LITERATUR
-<ERZBERGER> 394ff.
- <Württ. Klosterbuch> 254-256 (O. BECK).
- <KB Biberach> II, 57-61.
- <KDW Biberach> 114-126.
- O. BECK / L. HAAS (Hg.): Gutenzell - Geschichte und Kunstwerke. München/Zürich 1988.
- J. RESTORFF: St. Kosmas und Damian in Gutenzell. Lindenberg 2001.
- J. Chr. MAEGRAITH: Das Zisterzienserinnenkloster Gutenzell. Vom Reichskloster zur geduldeten Frauengemeinschaft (Oberschwaben - Geschichte und Kultur 15). Epfendorf 2006.
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